Autofocus kalibrieren

Eine lange Zeit ist seit meinem letzten Eintrag vergangen, der ja auch nur aus einem kurzem Einblick in meinen Frühjahrsurlaub bestand. Dazu demnächst mehr. Heute widme ich mich mal der Technik. Ich hatte schon seit einiger Zeit den Verdacht, dass mein Universalzoom (Sigma 18-250) nicht 100-prozentig auf den Punkt fokussiert.

Daher werde ich heute den Autofocus von zwei Objektiven kalibrieren. Dazu könnte man Hilfsmittel im Fachhandel erwerben, z.B. den SpyderLensCal. Ich habe es mir einfacher gemacht, einen Testchart aus dem weltweiten Netz heruntergeladen und selbst ausgedruckt. Diesen findet man schnell mit der Bildersuche und den Stichworten „Autofocus Testchart“, dabei unbedingt auf eine hohe Auflösung achten. Das Testprinzip ist eigentlich sehr einfach. Der Testchart besteht im Wesentlichen aus parallelen Linien, die im Winkel von 45 Grad mit der Kamera aufgenommen werden. Die Mitte, auf die fokussiert wird, ist besonders gekennzeichnet. Liegt der Meßpunkt aus dem System Kamera und Objektiv jetzt vor (Frontfocus) oder hinter (Backfocus) dem anvisierten Punkt, kann man das erkennen, da die Linien unter- oder oberhalb der Mittellinie schärfer sind.

Um die Kamera in den richtigen Winkel zu bekommen habe ich etwas gebastelt, den Testchart auf festen Karton aufgezogen und mit einem 45-Grad-Pappwinkel zum aufklappen versehen. Die Kamera muss ich auf dem Stativ jetzt nur noch waagerecht ausrichten, mit den eingebauten Libellen kein Problem. Das Objektiv wird auf die längste Brennweite und Offenblende eingestellt, möglichst dicht am Testkarton (aber so, dass noch scharf gestellt werden kann ;-). Den zentralen Autofokuspunkt auswählen und ein Bild machen. Bei den aktuell großen Kamerabildschirmen kann man die Kontrolle direkt am der Kamera machen. Wer damit ein Problem hat, überträgt das Bild auf Computer oder Tablet.

Korrekt müsste die optimale Schärfe auf der Mittellinie sein. Man kann das gut erkennen, wenn man auf die Unschärfen oben und unten achtet, die müssten jetzt gleichmäßig unschärfer werden. Wenn die 1 oben schärfer ist als die 1 unten, wie bei meinem Sigma-Objektiv, dann liegt ein Backfocus vor.

Nikon-Menü Die AF-Feineinstellung im Nikon-Menü.

Der Focus kann jetzt in der Kamera korrigiert werden, zumindest bei höherwertigen Kameras. Bei Nikon findet man die Einstellung im Menü ‚System‘ > ‚AF-Feinabstimmung‘. Mit OK aktiviert man die Feinabstimmung und kann dann den gespeicherten Wert ändern. Es erscheint ein Bildschirm mit den Objektivangaben und einer Korrekturskala von +20 bis -20. Liegt der Focuspunkt oberhalb, also hinter der Mittellinie, verstellt man den Wert Richtung Minus. Dann wird erneut fotografiert, kontrolliert und korrigiert bis das Ergebnis stimmt. Der Korrekturwert wird automatisch für das entsprechende Objektiv gespeichert und erkannt.

Insgesamt keine Hexerei und eigentlich schnell gemacht. Sollte man für jedes neue Objektiv sofort machen. Wenn man sich bereits am Ende der Skala befindet oder diese nicht ausreicht: sofort das Objektiv zurückschicken!